Preiskalkulation für Selbstständige

Preiskalkulation für deine Produkte und deine Dienstleistungen

Mir ist aufgefallen, dass es keine verständliche Einleitung dafür gibt, wie man als Selbstständiger Preise für seine Produkte und Dienstleistungen kalkuliert. Vielleicht bringt euch dieses Preiskalkulation-Schema weiter und hilft eure Preise zu ermitteln. Es geht um eine vereinfachte Darstellung, um euch schnell einen Überblick zu liefern. 

Bist du bereit für eine Mütze 100 Euro zu bezahlen?

So teuer soll eine Mütze ein, wenn ich morgen anfange, selbst gestrickte Sachen anzubieten. Ich stricke nicht so gut, um das professionell zu tun. Aber diesen Preis habe ich mir nicht einfach ausgedacht, sondern errechnet. Ich zeige dir, was für ein Preiskalkulation-Schema dafür benutzt habe. 

Schritt Nr. 1: Stundensatz, um die Betriebskosten bezahlen zu können („schwarze Null“)

▪️Jahreskosten (Betriebskosten pro Jahr). Das sind alle Kosten, die unabhängig davon entstehen, wie viel wir herstellen und ob wir krank oder im Urlaub sind. Bei Anja sind zum Beispiel die Kosten für die Wolle nicht enthalten.

Stell all deine Kosten zusammen und schreibe sie auf.

Anja arbeitet von zu Hause, fährt zweimal im Jahr zur einer Woll-Messe, zahlt für ihren Internetzugang und hält ihre Ausgaben sehr niedrig. Sie kommt auf etwa 1000 Euro im Jahr.

Peter arbeitet von zu Hause. Er muss fürs Internet, seine eigene Website und Software bezahlen. Seine Ausgaben liegen bei 2000 Euro im Jahr.

▪️Verfügbare Arbeitszeit pro Jahr. 

Rechne aus, wie viele Stunden du pro Jahr tatsächlich arbeitest.

Bei der Preiskalkulation ist wichtig nur die Zeit zu betrachten, die du für die Herstellung eines Produkts benötigst. Wir berücksichtigen nicht die ganzen Marketingarbeiten, den Verkauf und Administration.

Bei Anja ist es die Arbeit, die sie an ihrer Mützen arbeitet. Sie arbeitet 30 Stunden in der Woche und hat 4 Wochen für Urlaub und Krankheiten pro Jahr eingeplant. Anja wendet etwa 40% der Zeit fürs Stricken auf.

48 Wochen mal 40 Stunden mal 0,4 = 768 Stunden im Jahr

Bei Peter ist die Arbeit, während er die Website für einen Kunden erstellt. Peter arbeitet 40 Stunden in der Woche, hat 5 Wochen für Urlaub eingeplant. 60% der Arbeitszeit ist für die Projekte.

48*40 Stunden*0,6 = 1152 Stunden im Jahr

▪️Stundensatz, um die Betriebskosten bezahlen zu können („schwarze Null“)

Bei Anja sieht es so aus: 1000/768 = 1,30  Euro/Stunde

Bei Peter: 2000 Euro/ 1152 = 1,74 Euro/Stunde

2. Stundensatz (Wunschverdienst + schwarze Null)

Um den Preis zu kalkulieren, berechnen wir als erstes den Stundensatz, den du dir wünschst. Hier geht es darum, dass du berechnest, wie viel du pro Stunde verdienen möchtest. Die Zahlen müssen möglichst realistisch sein und deine Erfahrungen in Vergangenheit und Zukunft berücksichtigen.

Anja fängt erst mit ihren Mützen an und möchte 20.000 Euro im Jahr (1.666 Euro im Monat) verdienen. Das ist gar nicht so viel. 

Wunschverdienst  = 20000/768 = 26,04 Euro pro Stunde 

Stundensatz = 26,04 + 1,3 = 27,30 Euro pro Stunde

Bei Peter sieht es ein bisschen anders aus. Er möchte 40.000 Euro im Jahr verdienen (3.333 Euro im Monat).

Wunschverdienst = 40.000/1152 =34,70 Euro pro Stunde 

Stundensatz = 34,7 + 1,74 = 36,50 Euro pro Stunde 

3. Produktpreis (Zeit mal Stundensatz)

Wie viel Zeit nimmt die Herstellung eines Produktes in Anspruch?

Anja braucht leider etwa 3 Stunden, um eine Mütze zu stricken. 

Mindestpreis für eine Mütze = 3*27,3 = 81,90 Euro 

Peter rechnet seine Zeit in Stunden ab. Um eine Webseite zu erstellen braucht er etwa 30 Stunden. 

Preis für eine Webseite = 36,5*30 = 1095 Euro

4. Herstellungskosten (Materialien) plus zusätzlichen Puffer

Für eine Mütze braucht Anja ein Wollknäuel und Fäden. Sie gibt dafür 7 Euro aus. Zusätzlich rechnet sie 10% für den Fall, dass etwas schief laufen sollte. 

Peter hat keine Ausgaben. Er braucht aber regelmäßig einen neuen Computer. Deswegen muss er den Preis anteilig auf sein Produkt anrechnen. Das sind die sogenannten Abschreibungsosten.

2000 Euro (Preis des Computers)/3 Jahren/ 1152 Stunden im Jahr = 0,56 Euro pro Stunde 

Für die Website kommen somit noch 17,40 Euro dazu. Als Puffer nimmt Peter 20% dazu, weil Auftraggeber viel bei ihm verhandeln und es dazu kommen kann, dass er für eine Website doch mehr Zeit benötigt. 

5. Preiskalkulation: Endpreis des Produkts

Hier rechnen wir alles zusammen, um den endgültigen Preis für ein Produkt zu errechnen. 

Wie teuer ist so eine Mütze? Wie teuer ist eine Website von Peter?

Produktpreis plus Arbeit plus Puffer

81,9 plus 7 plus 10% als Puffer  = 97,70 Euro pro Mütze 

1095 plus 17,4 plus 20% = 1334,88 Euro pro Website

Der Preis ist nicht unbedingt der Preis, der du deinem Kunden nennen solltest oder der Preis, für den du dein Produkt verkaufen musst. Es zeigt dir nur, wie viel dich dein Produkt kostet. Selbstständige neigen häufig dazu, ihre Kosten zu unterschätzen.

Wenn dein Produkt aus deiner Perspektive zu teuer ist, hast du zwei Möglichkeiten:

Deine Ausgaben reduzieren 

Deine Geschwindigkeit bei der Herstellung des Produkts verkürzen

Fazit 

Preiskalkulation ist sehr wichtig, wenn du dein Unternehmen erfolgreich führen möchtest.

Es ist schwer, eine Mütze für fast 100 Euro zu verkaufen, insbesondere wenn man am Anfang steht und noch keine starke Marke aufgebaut hat. 

Wenn Anja auch für 15 Euro pro Stunde bereit wäre zu arbeiten, wird der Preis stark sinken. Dann wird die Mütze etwa 61,49 Euro kosten. Das ist aber immer noch sehr schwer zu verkaufen. An dieser Stelle muss man genauer überlegen, ob es langfristig eine gute Idee für Anja ist, Mützen selbst zu stricken. Vielleicht sollte sie lieber Kindermützen anbieten, die man schneller herstellen kann oder die Produktion muss an andere ausgelagert werden.

Es ist schwer, eine Mütze für fast 100 Euro zu verkaufen, insbesondere wenn man am Anfang steht und noch keine starke Marke aufgebaut hat. 

Wenn Anja auch für 15 Euro pro Stunde bereit wäre zu arbeiten, wird der Preis stark sinken. Dann wird die Mütze etwa 61,49 Euro kosten. Das ist aber immer noch sehr schwer zu verkaufen. An dieser Stelle muss man genauer überlegen, ob es langfristig eine gute Idee für Anja ist, Mützen selbst zu stricken. Vielleicht sollte sie lieber Kindermützen anbieten, die man schneller herstellen kann oder die Produktion muss an andere ausgelagert wird. 
Ich hoffe, dass mein Preiskalkulation-Schema dich weitergebracht hat. Schreib einfach in den Kommentaren, wenn du Anregungen oder Fragen dazu hast.

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