Selbstständigkeit

Warum wir schnell aufgeben

Heute gibt es eine kleine Geschichte. Maja träumt davon, sich als Social-Media-Marketing-Managerin selbstständig zu machen. Instagram, Twitter, Pinterest sind ihre wahre Leidenschaft. Sie möchte ihren alten Job aufgeben und endlich ihren Traum in die Realität umsetzen. Warum solche Vorhaben oft kein Happy End haben, zeige ich dir heute mit Hilfe von Maja und ihrer Geschichte.

Wünsche

Maja hat einen Wunsch, der so groß ist, dass sie das Gefühl hat, dass sie nichts im Leben stoppen kann. Sie fängt ihren Tag mit Social Media an und beendet ihn auch damit. Maja analysiert alles, was damit zu tun hat und was ihr hilft, Social-Media-Managerin zu werden. Ein angebotener Fortbildungskurs weckt ihr Interesse. Sie meldet sich an, um ihren Traumberuf vom Wunsch zur Realität werden zu lassen. Es scheint, als ob Maja gute Chancen hat, das zu erreichen.

Maja möchte sich selbstständig als Online-Marketing-Managerin machen

Mit jedem Tag fühlt sie sich besser und besser bei dem, was sie tut. Vor ein paar Monaten wusste sie nichts über Alleinstellungsmerkmale und jetzt kennt sie sich damit aus. Sie hat sogar selbst eins. Majas Mission ist es, anderen Selbstständigen zu helfen, von ihren Kunden in sozialen Netzwerken gefunden zu werden. Ihr Enthusiasmus ist groß und dies treibt sie weiter an.

Maja ist sicher und selbstbewusst. In diesem Augenblick kann sie sich noch nichts vorstellen, dass sich bald alles ändert.

Wenn es ihr jetzt schon so viel Spaß macht und alles so gut klappt, was wird mit mir in einem Jahr, denkt Maja. Sie stellt sich vor, dass sie in ein paar Jahren eine eigene Social-Media-Agentur gründet. Der Glaube an das Gute ist so stark, dass sie sich traut, zu kündigen. 

Majas Erwartungen sind hoch. Sie wagt den Schritt in eine ungewisse Zukunft und macht sich selbstständig.

Realität

Seit der Kündigung sind ein paar Monate vergangen. Der Kurs neigt sich seinem Ende zu. Die Zeit ist gekommen, um das Erlernte in die Praxis umzusetzen.

Maja übernimmt für einen Kunden die Betreuung der sozialen Netzwerke. Sie versucht es so zu machen, wie es ihr beigebracht wurde. Der Erfolg aber bleibt aus. Die Anzahl der Follower wächst bei dem Kunden nicht. Außerdem sind ihre Freunde ziemlich sauer, weil sie keine Zeit mehr für diese hat und jetzt nur noch permanent über ihre Selbstständigkeit redet.

Maja hat keine Zeit für ihre Freunde

Maja ist von Frustration und Angst überfordert. „Ich weiß so vieles. Warum klappt es nicht? Was mache ich falsch?“, denkt Maja immer wieder über ihre eigene Leistung nach. 

Verzweifelt regt Maja sich über ihre eigene Leistung auf. Dies zieht sie noch stärker nach unten und bringt sie in ihren Aufgaben nicht vorwärts. 

Maja bleibt in ihren negativen Gedanken stecken. Die Euphorie ist verschwunden. Ihre Dienstleistungen sind zwar gefragt, dafür bekommt sie aber viel weniger als sie ihrem alten Job verdient hat. Je weniger Geld in ihrer Geldbörse ist, desto schlechter ist sie gelaunt.

Eines Nachts steht sie auf und kommt zu dem Entschluss, dass ihre Erwartungen an ihre Selbstständigkeit und die Realität stark auseinander gehen. Sie hat keine Lust zu kämpfen. Im Kopf kommen mehr und mehr Gedanken dazu, dass ihr alter Job gar nicht so übel war wie sie bei der Kündigung dachte. „Wahrscheinlich ist Social Media nicht so meins und ich muss mich damit abfinden“, denkt Maja in dieser Nacht.

Maja fängt an, wieder in ihren alten Job zu arbeiten.

Warum passiert das häufig?

Oft heißt es:

Wenn du hart arbeitest, viel lernst und alles viel besser als die anderen machst, lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. So entsteht der Irrglaube, dass, wenn man sich Mühe gibt, bekommt man alles im Leben. Es wird eine direkte Korrelation zwischen der eigenen Leistung und Erfolg vorgegaukelt.  Wenn man diese Prämisse betrachtet und eine Erfolgskurve zeichnet, stellt sich folgendes dar.

Je mehr Zeit in etwas investiert wird und dabei hart gelernt und gearbeitet wird, desto erfolgreicher wird man.

Es hängt aber nicht alles von der eigenen Person ab. Eine konstante Steigerung gibt es nicht. Erfolg hängt von mehren Faktoren ab.  

Man sollte im Kopf behalten, dass die Startmöglichkeiten bei Menschen sich voneinander unterscheiden. Jeder von uns hat seine eigenen Lebenserfahrungen gemacht. Aber nicht nur das unterscheidet uns. Die Ressourcen und inneren Kräfte sind bei jedem Menschen anders. Diese Tatsache darf nicht unterschätzt werden. Einer bekommt aus seinem Umfeld mehr Unterstützung als andere. Gut möglich, dass wenn Majas Freunde von Maja anders reagiert und sie unterstützt hätten, wäre sie nicht so aufgelöst und hätte weiter gemacht. 

Wie man sieht spielen viele Faktoren eine Rolle. Wenn man an dieses Modell glaubt und zu dem Punkt ankommt, an dem nichts passiert, zieht man häufig einen Entschluss daraus, dass der falsche Weg gewählt wurde.

Ich wünschte mir, dass dies etwas weniger passieren würde als es tatsächlich passiert. Es ist nicht Majas Schuld, dass sie Stagnation und sogar einen gefühlten Sturz nach unten erlebt hat. Für diesen Ablauf ist Psychologie des menschlichen Verhaltens verantwortlich. 

Wie sieht die tatsächliche Kurve aus?

Mit Hilfe des Lernphasenmodells von Bandura wird Majas Geschichte verständlicher.

Von bewusster Inkompetenz zu unbewusster Kompetenz

1. Erwartungen – unbewusste Inkompetenz

Meistens sind Erwartungen in der ersten Phase erhöht. Man fühlt sich stark und hat viel Energie. Wenn die Anbieter von Fortbildungskursen einem davon erzählen, wie viel man verdienen wird und wie schön die Zukunft aussehen wird, steigen die Illusionen im Kopf noch weiter. Dies macht den Abfall in der zweiten Phase umso schmerzhafter.

2. Niedergang – bewusste Inkompetenz 

Diese Phase kommt früher oder später. Du kannst diesen Sturz nach unten nicht beeinflussen. Was wie ein Sturz nach unten aussieht, ist in der Realität eine Steigerung deiner Kompetenzen. In der ersten Phasen ist man sich über viele Lernlücken nicht bewusst, denn einem fehlen die Kompetenzen sie zu erkennen. 

Man hat das Gefühl, dass man noch schlechter ist, als man zuvor gewesen ist. Oft sieht man sich im Vergleich mit anderen nur negativ und fühlt sich zu nichts fähig. Es scheint so zu sein, dass man nicht im Stande ist, neue Informationen zu verarbeiten. Manchmal kommt es sogar so weit, dass Menschen während dieser Phase krank werden. 

3. Folgt eine Steigerung? – bewusste Kompetenz

Ja, aber diejenigen, die den Schritt in Selbstständigkeit wagen, kommen oft nicht bis dahin. Die dritte Phase kommt genauso unerwartet wie die zweite. Man bekommt Klarheit und Bewusstsein über die Schritte, die getan werden müssen, um die geplanten Ziele zu erreichen.  

4. Unbewusste Kompetenz 

Bei der letzen Phase sind die Prozesse automatisiert. Sie ist der Schlüssel zu Wachstum und Erfolg.

Man darf sich nicht komplett entspannen, denn es kommt immer wieder dazu, dass man wieder runterfällt. Nicht so tief wie beim ersten Mal und wenn man das erste Tief überwunden hat, fällt es leichter, ein zweites Mal aufzustehen.

Fazit

 

Die Realität unterscheidet sich stark von unseren Erwartungen.

Es ist in Ordnung, dass Motivation und Kräfte sinken. Dafür ist eine normale psychologische Tatsache beim Erlernen von Neuem verantwortlich. 

Wenn man keine Motivation hat, sollte man sich nicht selbst beschuldigen und denken, dass man nutzlos ist. Du bist nicht allein. Was du brauchst, ist Erholung, diese darf aber nicht so lange sein. Danach wieder anzufangen fällt dir sonst sehr schwer. 

Überlege dir, in welcher Phase, du dich befindest und wie lange schon.

Ich habe selbst vieles aufgegeben, denn ich habe früher auch nicht gewusst, dass es normal ist.

Die Welt ist voller Kontraste. Wir wundern uns darüber, wie Tag und Nacht sich abwechseln, dabei ärgern wir uns nicht über die Sonne, die schon wieder untergegangen ist. Wir nehmen dies als selbstverständlich wahr. So sollte es auch sein, wenn wir was Neues lernen. 

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